1. Hanauer FC 1893 e.V.
Hessens ältester Fußballverein
1. Hanauer FC 1893 e.V.

Zum Abschluss der Vorrunde:

Interview mit Giovanni Fallacara!

Giovanni, zuerst einmal Dir, der Mannschaft, den Trainern und Betreuern eine herzliche Gratulation und Anerkennung zur überragenden Vorrunde der Saison 2018/19, die Ihr in der Verbandsliga Hessen-Süd hingelegt habt. Nach 16 Spieltagen noch immer ungeschlagen, 40 Punkte auf dem Konto- was macht das alles mit Dir?

Giovanni Fallacara: Herzlichen Dank, werde es morgen der Mannschaft ausrichten.
Giovanni Fallacara Allerdings Glückwunsch auch an Dich und den ganzen Verein, denn diese erste Etappe haben wir schließlich alle gemeinsam geschafft. Also hoffe ich, dass sich auch jeder als Gewinner fühlt...
Ich bin speziell nach dem Spiel in Wald-Michelbach allmählich sprachlos.

 Wir arbeiten wirklich Woche für Woche sehr, sehr hart und haben alle miteinander einen hohen Anspruch an uns selbst. Wie viele Ausfälle wir jedoch mittlerweile wegstecken müssen und wie wir darauf antworten, das ist schon echt der Wahnsinn, zumindest für mich.
Wir hatten in Wald-Michelbach eine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren auf dem Platz und sie haben in diesen 90 Minuten sowohl im schweren Kampf  als auch im letzten Drittel enorme fußballerische Qualität an den Tag gelegt.

 Bedenkt man dann, dass wir vier Spieler in der Startelf hatten, die unter 20 Jahre alt sind, dann bekommt man das Gefühl, dass diese Jungs einfach nicht kleinzukriegen sind.
Da kann man doch nur wahnsinnig stolz sein.

Die nächsten Verfolger liegen bereits 9 Punkte zurück. Ist da schon eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf gefallen?

Giovanni Fallacara: Unsere Punkteausbeute ist überdurchschnittlich hoch und deshalb dieses derzeitige Polster. Sieht man jedoch, dass wir noch keine Niederlage hatten, ist das für uns am Ende kein so dickes Polster und so fühlt es sich auch an.
Wir spüren absolut keinen Riesen-Vorsprung, sondern sind vielmehr darauf fokussiert, Woche für Woche unseren Level abzurufen- und was die anderen machen, darauf achten wir wirklich überhaupt nicht.
Das Polster ist zwar da, aber es hilft uns nicht, Spiele zu gewinnen, sondern lediglich, auch mal einen Ausrutscher zu verkraften. Somit sollten wir uns weiterhin auf das Punktesammeln konzentrieren und schauen in absehbarer Zeit, was hinter uns passiert.
Die Weihnachtsfeier ist zum Beispiel ein guter Anlass hierfür.

Im Vergleich zur Vorsaison, als wir (als Aufsteiger in die Verbandsliga) nach Auswertung aller Vorrundenspiele 29 Punkte hatten, fällt vor allem die Stabilisierung der Defensive auf (jetzt 14 statt 27 Gegentore vor Jahresfrist). War bzw. ist das der Schlüssel zum Erfolg?

Giovanni Fallacara: Wir haben im Vergleich zur vergangenen Saison an der Abwehr kaum was verändert- und das ist für uns der Schlüssel zum Erfolg.
Unsere Spieler verstehen sich unheimlich gut auf und neben dem Platz, da kann jeder mit jedem, und wenn sie dann mal eingespielt sind, kommt so etwas dabei heraus.
Natürlich haben wir mit Tim Fliess einen zusätzlichen Abwehrspezialisten geholt, aber mehr noch überrascht uns die Entwicklung von Enis Muratoglu, der einen großen Satz nach vorne gemacht hat.
Bei Tim wissen wir, was bzw. wen wir geholt haben.
Sascha Ries spielt ebenfalls eine sehr starke Vorrunde und er nimmt vor allem die Rolle als Vize-Kapitän völlig an.
Aber auch die anderen Akteure machen einen sehr guten Job.
Ich habe Ende September unseren Jungs gesagt, dass im Herbst der Meister gemacht wird, und sie sind mal wieder auf den Punkt voll da.

In den letzten Spielen hatten wir, aus unterschiedlichsten Gründen, eine ganze Reihe von Ausfällen. Die Spieler, die dann nachgerückt sind, haben ihre Sache ausgezeichnet gemacht. Ist unsere qualitativ und quantitativ top-besetzte Bank am Ende entscheidend bei der Erreichung unserer Saisonziele?

Giovanni Fallacara: Zu Beginn der Saison haben viele aus dem Umfeld die Meinung vertreten, was wir denn mit all diesen Spielern wollen und dass es nur Ärger geben würde.
Heute können wir sagen, dass es keinen Spieler im Kader gibt, der noch keine Einsätze in der Verbandsliga bekommen hat.
Wir sind von jedem dieser Spieler absolut überzeugt und vertrauen ihnen dann auch, wenn der Moment gekommen ist.
Es ist aber hier auch jedem Spieler klar, dass er gebraucht wird und dass er von jetzt auf gleich in die Bresche springen muss, damit wir am Ende alle das gemeinsame Ziel erreichen.

Aktuell sieht man, wie wichtig es ist, einen breit aufgestellten Kader zu haben, der auch in der Qualität in die Tiefe geht.
Aus meiner Sicht ist unser Kader perfekt aufgestellt, lässt sich allerdings auch leicht von mir sagen, da ich ihn selbst zusammengestellt habe- ansonsten müssen das andere Leute beurteilen.

Es fällt nicht nur auf, wie nahtlos sich die Spieler, die von der Bank kommen, in unser Spielsystem einfügen. Es fällt auch auf, dass offenbar keiner „motzt“, der längere Zeit auf der Bank saß, sondern dass jeder geduldig auf seine Einsatzchance wartet. Täuscht dieser Eindruck von draußen, oder ist es wirklich so?

Giovanni Fallacara: Das täuscht nicht! Unsere Trainer und auch ich sind immer schwer dahinter her, jeden bei Laune zu halten.
Das fällt nicht immer leicht und man muss ja auch die Spieler verstehen.
Aber unsere Spieler vertrauen uns da sehr, denn sie wissen, dass wir auf sie bauen und dass jeder seine Minuten bekommt- früher oder später eben.
Und ab und zu müssen wir auch dem einen oder anderen die Augen öffnen mit den Statistiken von Roland Jäger, wenn es mal heißt, er würde zu wenig spielen.
Die Jungs sind aber alle zufrieden, denn am Ende können sie auch nur gemeinsam Erfolg haben.
Helden haben wir auch nie gesucht, bei uns ist die Mannschaft der Star!

Bis zur Winterpause stehen noch drei Punktspiele an: in Urberach sowie zu Hause gegen Altwiedermus und Rotweiß Frankfurt. Wie sieht die Zielsetzung für diese drei Begegnungen aus?

Giovanni Fallacara: In den letzten drei Spielen möchten wir natürlich versuchen, keine Niederlage zu kassieren. Am kommenden Samstag in Urberach wartet auf uns allerdings ein schwerer Brocken.
Erst mal diese Hürde nehmen und dann schauen wir weiter, aber geht es nach uns, sollen es am Ende 49 Punkte zur Weihnachtsfeier sein.

Giovanni, nach der jüngsten Siegesserie haben wir in Bezug auf Meisterschaft und Hessenliga-Aufstieg alles in der eigenen Hand; zu sagen, es schaut sehr gut aus, wäre noch stark untertrieben. Worauf kommt es in der zweiten Saisonhälfte nach Deiner Meinung hauptsächlich an, damit das große Ziel des Hessenliga-Aufstiegs wirklich erreicht werden kann?

Giovanni Fallacara: Stand jetzt kann man nur sagen, dass alles ganz gut aussieht und alles andere wäre auch sehr vermessen.
Unser Stadtrivale hat es erst am eigenen Leib gespürt, wie man binnen 14 Tagen mit drei Niederlagen am Stück sehr viel verspielen kann.
Auch uns kann so etwas passieren, und das geht in solch einer Liga auch sehr schnell.
Wir müssen  versuchen, eine sehr gute Vorbereitung zu haben und alle gesund an den Rückrundenstart bringen.
Wenn wir es dann schaffen, aus den ersten drei Spielen gut rauszukommen, dann darf man langsam daran glauben, aber vorher ist dieses Thema für uns noch ein absolutes Tabu.

Wenn es also klappt, dass der FC Hanau 93 nach 33 Jahren Abwesenheit wieder ins hessische Amateurfußball-Oberhaus zurückkehrt- was muss dann alles in Angriff genommen und verändert werden beim ältesten hessischen Fußballclub?

Giovanni Fallacara: Die Führung des Vereins und meine Wenigkeit haben sich darauf verständigt, in der Winterpause intensive Gespräche zu führen, um eine einheitliche Sprache nach außen zu vermitteln.
Es ist natürlich von immenser Wichtigkeit, dass wir weitere starke Partner finden.
Hessenliga zu spielen, ist weniger das Problem; Dich insgesamt als Verein gut zu präsentieren- das ist die große Herausforderung.
Stand jetzt kommen bald Vereine wie Hessen Kassel, Barockstadt Fulda–Lehnerz  oder der FC Bayern Alzenau bei der aktuellen Konstellation nach Hanau.
Da geht es vor allem darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, was unsere Anlage betrifft.
Ich hoffe ja immer noch, dass wir bis dahin unsere neuen Kabinen sowie den Kunstrasen mit Flutlicht gebaut haben. Aber selbst wenn dies nicht zustande kommt, steht für mich schon Plan B sicher bereit.
Man kennt mich mittlerweile im Verein, dass ich im Sport nichts dem Zufall überlasse...
Wünschen würde ich mir natürlich, dass wir noch mehr der Sympathieträger im einheimischen Fußball werden.
Wir haben eine sehr junge Mannschaft, bei der es Spaß macht, Zuschauer zu sein.
Hier haben wir natürlich noch viel Potenzial, Menschen zu erreichen, die gerne (wieder) unsere Zuschauer sein möchten.
Wenn ich allerdings sehe, was unser Support in Wald-Michelbach abgerissen hat- dann fällt mir dazu nicht mehr viel ein außer: Chapeau!!!
Unfassbar, welch eine Stimmung 90 Minuten am Stück, das war schon großes Kino.

Wann beginnen die Planungen für die Saison 2019/2020?

Giovanni Fallacara: Traditionell gehen wir (die Trainer und ich) in der Winterpause zusammen essen und sprechen über die Vergangenheit sowie über die nahe Zukunft.
Es ist immer so, dass wir schon in der Winterpause ein Stück weit die Weichen für den Sommer stellen und es dann nur noch Formsache ist, wenn wir Ende März in die intensiven Gespräche gehen.
Man kennt mich allerdings auch, dass ich meistens Ende April mit unserer Planung abschließe und das wird auch 2019 wieder mein Ziel sein.
Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber ich bin auch der Meinung, dass es bei uns nicht großartig viel zu verändern geben wird, denn dafür sind wir einfach zu sehr intakt.

Giovanni, bei uns hat traditionell der Interviewte das Schlusswort. Du kannst die Aktiven, die Mitglieder, die Fans oder auch alle ansprechen.

Giovanni Fallacara: Zunächst möchte ich unseren beiden Trainern ein Riesen-Kompliment aussprechen. Es ist leicht, Qualität zu holen; die Zusammensetzung der jeweiligen Spielertypen ist aber am Ende noch nicht das, was schließlich auch zum Erfolg führt.
Unsere Trainer schaffen es Woche für Woche, unsere Spiele zu erreichen und gerade weil wir so viele unterschiedliche Typen haben, erfüllt es mich wirklich mit Stolz, zu sehen, was für einen perfekten Job unsere Trainer machen.
Weiterhin gilt es, der „Abteilung der Jungen“ ein dickes Lob auszusprechen: Dennis Gogol, Elmir Sekeric, Lennox Crews und Jaouad El Kaddouri. Sie alle sind unter 20 Jahren und wollen auf die Überholspur, was die Entwicklung betrifft.
Ihnen möchte ich auch auf diesem Weg sagen, dass wir stolz sind auf das, was sie abliefern und dass wir sehr wohl erkennen, dass aus ihnen noch sehr viel rauszuholen ist.
Last but not least gilt mein Appell  der Führung des Vereins, der Stadt und den Sponsoren sowie den Zuschauern:
Es ist das fünfte Jahr nacheinander, in dem wir kontinuierlich Schritt für Schritt nach oben machen und unser Wort halten. Es wäre sehr schade, wenn man aus nicht-sportlichen Gründen den Weg in das hessische Fußball-Oberhaus nicht antreten könnte, weil zum Beispiel die Trainingsmöglichkeiten nicht gegeben sind.
Ich wünsche mir, dass wir im nächsten halben Jahr alle an einem Strang ziehen und jedem auch mal Fehler verzeihen, damit man am Ende gemeinsam das Ziel erreicht, nämlich diesen tollen Traditionsverein endlich wieder hessenweit zu präsentieren.

Giovanni, vielen Dank für das Gespräch. Nochmals Dir und allen anderen, die dazu beigetragen haben, herzlichen Glückwunsch und höchste Anerkennung für das bislang Geleistete- vor allem natürlich der Mannschaft und den Trainern. Und noch viel Erfolg in den verbleibenden Spielen bis zur Winterpause.

Das Interview mit unserem Sportlichen Leiter führte Pressesprecher Hans Jung.

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