Wenn HFC-Cheftrainer Kreso Ljubicic im Sommer zu Bayern Alzenau wechselt, kann er auf vier Jahre Tätigkeit bei Hessens ältestem Fußballclub zurückblicken. Im Gespräch mit Hans Jung lässt er diese Zeit Revue passieren und schaut auf den bevorstehenden nächsten Schritt in seiner noch recht jungen Trainerkarriere.
Kreso, in der jetzigen, sehr schnelllebigen Zeit sind vier Jahre als Trainer eines Fußball-Hessenligisten schon eine lange Spanne. Wie lautet Dein vorläufiges Fazit zu Deiner ersten Trainerstation nach Deiner Zeit als aktiver Fußballer?
Kreso Ljubicic: Ich bin den damals und auch heute noch Verantwortlichen bei Hanau 93, also Giovanni Fallacara und Adi Alonso in erster Linie, sehr dankbar für die Chance und für das Vertrauen, das sie mir damals geschenkt haben. Nach etwas holprigem Start ist es dann ja auch gut gelaufen und die Arbeit hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Wir sind den Weg gegangen, junge Spieler zu holen, zu fördern und weiterzuentwickeln, das ist der richtige Weg für Hanau 93. Zusammen mit der U 21 von Darmstadt 98 und Rot-Weiß Walldorf haben wir in der Hessenliga den jüngsten Kader. Zu diesem Weg gibt es keine Alternative, auch aus finanziellen Gründen nicht. Dennoch haben wir unsere Ziele erreicht, den Ligaverbleib immer geschafft. Für die restliche Saison lautet unsere Zielsetzung wiederum Klassenerhalt und dazu den Sieg im Kreispokal zu holen.
Welches sind die Hauptgründe für Deinen bevorstehenden Wechsel zu Bayern Alzenau?
Kreso Ljubicic: Ich hatte als Spieler eine sehr schöne Zeit bei Bayern Alzenau. Da habe ich auch den Schritt vom Fußballprofi ins normale Berufsleben geschafft. Wir sind dann absolut im Guten auseinandergegangen, ich habe nur gute Erinnerungen an meine Zeit in Alzenau. Dann die Zeit bei Hanau 93, der Verein ist mir sehr ans Herz gewachsen. Zu Menschen wie Adi Alonso, Michael Grosch oder Roland Jäger sind sehr enge Bindungen und Freundschaften entstanden und gewachsen. Ebenso zu den Supporters. Sie alle werden mir fehlen. Was ein Dauerproblem war und ist: die unzureichende Infrastruktur des Vereins, da hat es in den letzten Jahren leider kaum Fortschritte gegeben. Für die Hessenliga sind die Bedingungen auf Dauer absolut unzureichend. Da finde ich in Alzenau wesentlich bessere Voraussetzungen vor. Für Hanau 93, einen Verein mit diesem Namen und dieser Tradition, ist das sehr schade. Für die Zukunft beim HFC muss einiges zusammenkommen. Vor allem die Sportanlage muss weiterentwickelt werden. In Alzenau gibt es auch einen wesentlich besseren Unterbau für die 1. Mannschaft. Die A-Jugend spielt auf Verbandsliga-Ebene, die 2. Mannschaft ist in der Kreisoberliga vorne dabei. Natürlich reizt mich als Trainer die Regionalliga, die ich mit Alzenau erreichen möchte falls es in dieser Saison noch nicht mit dem Aufstieg klappen sollte.
Wie hat die Mannschaft die Nachricht von Deinem bevorstehenden Weggang aufgenommen? Wie haben die Spieler reagiert?
Kreso Ljubicic: Ich habe die Mannschaft nach dem Testspiel in Bad Soden informiert. Nach der Entscheidung, dass Barletta in Alzenau aufhört, war schon spekuliert worden, dass ich seine Nachfolge antreten würde. Wir haben uns noch in Bad Soden in der Kabine darauf eingeschworen: Unser Ziel ist der Klassenerhalt, am Saisonende über dem Strich zu stehen. Und dazu der Sieg im Kreispokal am 9. Juni im Herbert-Dröse-Stadion. Das wird noch ein harter Weg, aber wir wollen dafür alles herausholen.
An der Kastanienallee steht für die Rest-Saison 2024/25 klar der Klassenerhalt in der Lotto-Hessenliga im Fokus. Es gab in der Winterpause einige Abgänge, wobei besonders der Wechsel von Gaoussou Dabo zu Rot-Weiß Erfurt ein schmerzlicher Verlust sein dürfte. Es gab aber auch interessante Neuzugänge. Wie beurteilst Du die Qualität des Kaders für die Rest-Saison? Ist das Ziel Ligaverbleib zu erreichen? Und wie lief aus Deiner Sicht die Vorbereitung auf die verbleibenden 14 Spiele?
Kreso Ljubicic: Ja, Gaoussous Weggang ist klar ein Verlust für uns. Er hat konstant gute Leistungen gebracht. Ein gutes Beispiel, wie ein junger Spieler zu 93 kommt, sich dort weiter entwickelt und den nächsten Schritt macht. Mit ihm und Filip Pandza (zum FSV Frankfurt) sind zwei Spieler von uns zu namhaften Regionalligisten gewechselt. So soll das auch in Zukunft laufen, und das macht uns ja auch für weitere junge Spieler attraktiv und interessant. Es macht mich auch stolz, dass das so gelungen ist. Der Kader hat bestimmt die Qualität und auch die Breite, um unsere Saisonziele zu erreichen. Wir haben in der Winterpause Spieler hinzugewonnen, die uns weiterhelfen werden. Das hat man auch beim letzten Testspiel in Zeilsheim gesehen (6.0); da hat vieles schon sehr gut funktioniert. Natürlich dürfen uns möglichst keine Leistungsträger durch Krankheit oder Verletzung ausfallen.
Am 1.3. spielen wir bei Bayern Alzenau. Wenn wir dort punkten, könnte das am Ende den Bayern den Aufstieg in die Regionalliga kosten. Wie gehst Du mit dieser Konstellation um?
Kreso Ljubicic: Bis zum 1.3. ist es noch lange hin- zuvor haben wir zwei schwere Spiele gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf. Klar: Das ist kein gewöhnliches Spiel. Das ist ein Derby und natürlich für mich sehr speziell. Darüber mache ich mir aber erst nach den beiden Spielen in Steinbach und gegen Weidenhausen Gedanken.
Wie sieht Deine weitere Zukunftsplanung als Trainer aus? Könnte Dich Dein Weg auch wieder in den Profifußball führen, den Du aus Deiner Zeit als Spieler ja schon sehr gut kennst?
Kreso Ljubicic: In Alzenau habe ich für zwei Jahre unterschrieben. Darüber hinaus habe ich noch nicht gedacht und geplant. Ich habe einen guten Job, den ich sehr gerne mache. Stand jetzt würde ich nicht zu einem Profiverein gehen und meine jetzige Arbeit aufgeben. Ich müsste dann auch die Trainer-A-Lizenz machen; das gilt übrigens auch bereits für die Regionalliga.
Kreso, was möchtest Du der 93er-Familie zum Schluss unseres Gesprächs gerne mitteilen?
Kreso Ljubicic: Ich danke nochmals von Herzen für die Chance, die mir Hanau 93 vor gut 3 ½ Jahren geboten hat. Ich habe in dieser Zeit immer alles gegeben und gebe buchstäblich mein letztes Hemd, um die Saisonziele zu erreichen. Ich habe die Zeit in Hanau sehr genossen, mit allen Höhen und Tiefen- wie es im Fußball eben so ist. Ich appelliere an alle, Hanau 93 auch zukünftig zu unterstützen. In einer Stadt wie Hanau sollte auch noch mehr als die Hessenliga möglich sein. Es müssten sich mehr Leute dafür interessieren und im Verein mitmachen. Die Entscheidung, die 93er nach dieser Saison zu verlassen, ist mir nicht leichtgefallen. Ich wünsche dem Verein nur das Allerbeste.
Kreso, herzlichen Dank für das Gespräch. Auch wenn Deine Aufgabe beim FC Hanau 93 längst noch nicht beendet ist, so möchte ich Dir doch jetzt schon Dank und große Anerkennung für die bislang geleistete Arbeit aussprechen. Für Deinen weiteren Weg als Trainer wünsche ich Dir viel Erfolg, der sich bei Deiner Qualifikation und bei Deiner Einstellung ganz zwangsläufig einstellen wird. Bis zum Saisonende soll es aber heißen: Forza HFC! Alle Konzentration gilt jetzt dem Verbleib in der Hessenliga. Und mit Dir als Coach wird es Hessens ältester Fußballverein ganz bestimmt auch schaffen.
Das Gespräch führte Hans Jung